
Reupload: Redebeitrag der am 8.März 2025 gehalten wurde.
Antifeminismus ist ein Angriff auf uns alle!
Die aktuellen faschistischen Tendenzen machen Antifeminismus real. Denn der Antifeminismus stellt nicht nur eine Kernideologie des Faschismus dar, er mobilisiert auch breite Massen reaktionärer, faschistischer und konservativer Kräfte. Rechte Positionen sind anschlussfähig, egal ob es um Abschiebungen oder Antifeminismus geht.
Antifeminismus ist eine Brückenideologie, die all jene vereint, die die bestehende patriarchale Ordnung aufrecht erhalten wollen und sich von allen, die diese Ordnung in Frage stellen, bedroht und in die Enge gedrängt fühlen.
Deshalb wollen wir einen materialistischen Blick auf die Verbindung von Antifeminismus und den gesellschaftlichen Verhältnissen werfen. Denn die Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen und weiblich sozialisierten Personen hält das kapitalistische Patriarchat am laufen. Der Antifeminismus ist also eine treibende Kraft, damit es weiter gehen kann wie bisher.
Frauen übernehmen noch immmer hauptsächlich die unbezahlte reproduktive Carearbeit. Über Jahrhunderte hat sich diese vermeintlich natürliche Arbeitsteilung verstetigt. Reaktionäre Positionen normalisieren die Überbelastung, Ausbeutung und Abwertung von Frauen weiterhin, durch biologistische oder kulturell-religiöse Argumente. Das kapitalistische Patriarchat ist darauf angewiesen, dass diese Arbeit unentgeltlich in den privaten Raum verschoben wird, damit Arbeitskraft effektiv reproduziert und weiter ausgebeutet werden kann. Der Staat begünstigt die heterosexuelle Kleinfamilie und schafft so einen Raum der Ausbeutung und Unterdrückung. Damit Frauen sich dieser Vergesellschaftung entziehen können ist die Bestimmung über ihre eigenen Körper ein Schritt, dessen Wichtigkeit wir vor diesem Hintergrund nicht überbetonen können. Reaktionäre Kräfte greifen den Zugang zu Verhütung und Abtreibung an, um über gebärfähige Körper verfügen zu können und sie in bestehenden Strukturen zu halten. Gelder für Frauenhäuser und feministische Beratungstellen werden gekürzt, was den Ausstieg aus der heterosexuellen Kleinfamilie, oft ein Ort durchzogen von bestrafender misogyner Gewalt, erschwert bis unmöglich macht.
Gewalt gegen Frauen ist ein zentraler Mechanismus, um sie in bestehenden Strukturen zu halten und ihnen den Subjektstatus im kapitalistischen Patriarchat zu verwehren. Hierbei lässt sich eine Vergeschlechtlichung von Gewalt beobachten: Männer sind nicht in jedem Falle Täter, aber strukturell steht ihnen die Täterschaft offen. Dominanz wird mit Männlichkeit assoziiert, sowie Unterwerfung mit Weiblichkeit. Wenn Frauen zum Subjekt werden wollen, in dem sie ihre eigenen Entscheidungen treffen sind sie häufiger als sowieso schon von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Dies ist bei Umbrüchen wie neuen Berufen, Trennungen und Umzügen der Fall ist, Eine direkte Bestrafung der Frau beim Erlangen des Subjektstatus ist also eingeschriebener Teil des kapitalistischen Geschlechtersystems.
Die patriarchale Gewalt trifft natürlich nicht nur Frauen sondern auch alle Queers – seit letztem Sommer wird vermehrt von Rechten zu Angriffen auf CSDs im Osten, aber auch überall in Deutschland, aufgerufen. Auch bei einer Demo des CSD Bündnisses in Marburg vor 3 Wochen riefen junge Faschos auf, die Demo anzugreifen. Dies konnte durch antifaschistischen Selbstschutz verhindert werden. Aber das Feindbild der Nazis bei diesen Aufrufen ist klar: Queerness entzieht sich der Normierung und Vergesellschaftung in der heterosexuellen Kleinfamilie. Queerness destabilisiert das Patriarchat und bedroht die bestehende gesellschaftliche Ordnung. Und genau das wollen wir – make feminism a threat!
Uns ist klar, dass wir das Patriarchat nicht mit Gesetzen beenden werden und trotzdem befinden wir uns in der misslichen Lage, dass wir bestehende Gesetze verteidigen müssen. Es braucht das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung, denn wir müssen die Zwangsvergeschlechtlichung überwinden! Die Kriminalisierung von Abtreibungen muss abgeschafft werden, denn es braucht Selbstbestimmung über Reproduktivität! Es braucht solidarische Sorgezusammenhänge, denn Carearbeit muss vergesellschaftet werden! Es braucht feministische Kämpfe außerhalb instabiler und unzuverlässiger Gesetzeslagen! Es braucht ein Ende des kapitalistischen Patriarchats.
Wir kämpfen gegen einen Kulturkampf von rechts, der reaktionär ist, also eine rückständige gesellschaftliche Ordnung verteidigen beziehungsweise wiederherstellen will. Wir wissen, dieser Backlash formiert sich eben weil es Erfolge gab, die wir uns nicht wieder wegnehmen lassen und wir sind noch lange noch nicht fertig. Feminismus bis zum Kommunismus! und bis dahin heißt es Make Feminism a Threat.
Das ist der Titel und das Versprechen der neuen Kampagne des kommunistischen Bündnis „…ums Ganze!“. Unser Ziel ist es gemeinsam und solidarisch dem voranschreitenden Antifeminismus entgegenzutreten – egal ob er von der reaktionären Mitte, der AfD, religiösen Fundis oder neonazistischen Subkulturen ausgeht. Feminism is our weapon!







