
Am 06. Mai 1980 fand in Bremen das erste öffentliche Gelöbnis seit dem Bestehen der Bundeswehr statt. Doch nicht ohne Gegenwehr. Zehntausende Demonstrierende lieferten sich in wütenden und entschlossen Straßenschlachten mit der Polizei in einer Massenmilitanz, wie sie zuvor wenig vorkam. Bundeswehrbusse stehen in Flammen, die Polizei unterliegt, Parteifunktionäre sehen in den Protesten einen „brutalen Angriff auf diese Gesellschaft“. „Die Schlacht am Osterdeich“ ist die Geburtsstunde der Autonomen. Und auch wenn vielleicht an diesem Tage die Autonomen nicht erfolgreich in der Verhinderung der Gelöbnisfeierei waren, so hatten sie doch einen entscheidenden Sieg davongetragen: 10 Jahre lang fand in der ganzen Republik keine öffentliche Vereidigung der Bundeswehr mehr statt.
46 Jahre später wird die Militarisierung der Gesellschaft im Angesicht der multiplen Krisen und Kriege vorangetrieben. Die Rüstungsindustrie boomt. Die „Verteidigungsausgaben“ werden erhöht, während im sozialen Bereich und in der Bildung gekürzt wird. Und seit dem 1. Januar wird eine Musterung für alle jungen Männer ab 18 Jahren (seit dem Jahrgang 2008) durchgeführt. Soweit, so schrecklich.
Diese Militarisierung ist Teil der autoritären Formierung der Gesellschaft. Nationalstaaten versuchen in Zeiten der weltweiten Krisen ihre eigene Vormachtsstellung zu halten, gegebenenfalls zu erweitern und das auch mit Gewalt. Dabei kann eine Militarisierung innerhalb der Gesellschaft nur durch die Einbindung der Bevölkerung an die Nation selbst geschehen oder anders gesagt – Du musst bereit sein für das Vaterland zu sterben und dafür musst du das Vaterland lieben. Nationalismus ist ein zentraler Baustein. Ein weiteres Element ist das Patriarchat. Die Erziehung junger Männer in Männerbünden wie der Bundeswehr zu Tapferkeit, Ehre, Aufopferung und Härte. Es ist bisweilen doch nicht verwunderlich, dass genau in solchen Strukturen sich rechte bis rechtsterroristische Gruppen bilden. Die Vergangenheit und Gegenwart zeugt von unzähligen Beispielen. Die Militarisierung und somit auch die autoritäre Formierung sind Teil eines Teufelskreises, in dem die Gesellschaft anschlussfähiger für rechte Narrative und Heilsversprechen wird. Und die Geschichte hat leider auch immer wieder gezeigt, dass die gesellschaftliche Linke in Kriegen zwischen Nationen Gefahr läuft unterzugehen.
Eine linksradikale Perspektive kann nur eine sein, die sich dem entgegenstellt und Nein sagt. Nein zum Krieg. Nein zum Sterben. Nein zum Töten. Nein zum Patriotismus.
Und das nicht als einzelne Stimme, die kein Gehör findet. Sondern organisiert in Massen versucht sich Gehör zu erkämpfen. Statt sich einzureihen und im Gleichschritt zu marschieren den Befehl zu verweigern. Und statt Frieden zu rufen sollten wir dem Krieg dem Krieg erklären. In all diesen Parolen wird vor allem eins wichtig sein: Die Kriegsdienstverweigernden zu unterstützen und Desertierenden Unterschlupf zu bieten.
Und solange kann es nur heißen: Nie wieder Deutschland dienen.