Redebeitrag: Antifa wirkt

Der folgende Redebeitrag wurde auf der Demonstration „Antifa wirkt – Studentenhistorikertagung zur Geschichte gemacht“ am 17.10.25 gehalten.

Hallo liebe Freund*innen des Antifaschismus,
Heute stehen wir hier zusammen, da ursprünglich die kooperierte Historikertagung in Marburg stattfinden sollte, aber aufgrund antifaschistischer Interventionen vorab, abgesagt wurde. Das ist ein klarer antifaschistischer Erfolg und zeigt, dass Marburg ein hartes Pflaster für Rechte jeglicher Coleur bleibt. Oder um es anders zu sagen: Antifa wirkt!

Dies scheint ein guter Anlass zu sein, um über die elitären Männerbünde zu sprechen: Wir meinen damit die Burschenschaften und Verbindungen, die in dieser Stadt existieren.

Studentenverbindungen schließen Frauen, Lesben, Inter- Nichtbinäre, Trans* und Agender Personen (Kurz Flinta) explizit aus ihren Organisationen aus, was eine frauen- und queerfeindliche Abwertung zur Folge hat. So glorifizieren sie den studentischen Männerbund und wir fragen uns, ob sie sich nicht die Zeit zurückwünschen, in der Frauen an der Universität noch nicht zugelassen waren – was in Marburg zum Beispiel erst seit 130 Jahren der Fall ist.

Denn Studentenverbindungen sehen Flinta nicht als handelnde, gleichwertige Individuen.
Frauen, oder wie beispielsweise manche Verbindungen sagen, Damen, sind gerne bei Festen und gemeinsamen Tanzabenden gesehen. Für den sonst so gern gesehenen akademischen Austausch reicht es also nicht, aber zur Objektifizierung und als Sexobjekte dann doch wieder gerne. Flinta werden so in die private Sphäre zurückgedrängt und stehen dem rationalen Mann gegenüber. Hierbei ist es nicht unser Anliegen Frauen und Queers in diese rückwertsgewandten Strukturen
einzubinden, wo sie nur als Objekte der Begierde und Erniedrigung betrachtet werden. Wir sind nun mal keine Sozialdemokrat*innen, Scheiße kann nicht reformiert werden. Wir wollen die Abschaffung des Patriarchats und somit auch dieser Männerbünde!

Die Konstruktion von Männlichkeit durch Ehre und Zusammenhalt innerhalb der Studenverbindung ist wenig überraschend, denn gerne präsentieren sich die Koorperierten in soldatischer Manier: Das studentische Fechten ist dabei neben dem Saufen ein zentrales Mittel der männlichen Persönlichkeitsbildung. Es geht darum Gewalt auszuüben und zu erleben, “den eigenen Mann zu stehen”, nicht zurückzuweichen. Der Schmiss, die Narbe im Gesicht als Ehre zum Tragen nach Außen. Das macht das natürlich für uns leichter diese Schweine zu erkennen, danke!

Und bevor ein Mimimi der „liberalen Studentenverbindungen“ kommt: Es stimmt, nicht alle Verbindungen fechten, bei manchen ist es freiwillig. Es bleibt: Egal ob pflichtschlagend oder fakultativ – Männerbünde zerkratzen!

Verbindungen und Burschenschaften stehen in der Tradition des elitären Bewusstseins – und zur Elite gehören in ihrem Denken natürlich wiederum nur Männer. Vom Auftreten zu ihren Ritualen dient es zur Heranzüchtung eines elitären und autoritären Charakters. Es geht darum sich von den anderen Studierenden abzugrenzen. Dem Pöbel, den Armen, den linken und all
dem anderen Gesocks. Denn sie selbst sehen sich als eine Elite an, die sich über ihr Weltbild bestehend aus Gehorsam, Männlichkeit, Tradition und Nationalismus auszeichnen. Über die „alten Herren“ werden Kontakte in die Politik und Wirtschaft geknüpft, damit die Verbinder nach ihrem Studium gehobene Posten übernehmen können. Denn das Lebensbundprinzip
fungiert hier als Kaderschmiede und sendet Konservative bis Rechtsextreme in hochgestellte Positionen. Diese Prestige lockt wiederum junge Männer an und nicht nur das.

Vielleicht kennt ihr selbst oder habt es am Anfang eurer Studierendenzeit mitbekommen, als ihr auf Wohnungssuche wart. Denn einfach ist es in Marburg nicht bezahlbaren Wohnraum zu finden, außer bei den Verbindungen und Burschenschaften, die zum Teil verdeckt ihre Anzeigen auf WG-Gesucht schalten, um neue Mitglieder zu ködern. Top Lage, Miete unter
dreihundert Euro, Putzpersonal und Gemeinschaft. Klingt auf dem ersten Blick traumhaft, doch das kleingedruckte wird dabei nicht geschrieben: Die Erziehung zu einem Menschen, der gehorchen muss und über seine eigenen Grenzen dafür geht. Von erzwungenen Trinkritualen bis zum gemeinsamen Erbrechen und dem gegenseitigen Versuch sich am Kopf mit scharfen
Klingeln zu verletzen. Härte gegen sich selbst und gegen andere, Macht und Autorität. Daraus können nur Arschlöcher entstehen und keine solidarischen Gemeinschaften.

Studentenverbindungen sind nicht nur historisch, sondern auch heute ein Abbild unserer Gesellschaft und des Systems, in dem wir leben, trotz hässlicher Mützen und Uniformen und überholten Traditionen. Denn ihre Mitglieder werden durch die autoritäre Erziehung perfekt für den kapitalistisch-patriarchalen Alltag vorbereitet: Konkurrenzkampf, die
Durchsetzungsfähigkeit zur Machtgewinnung, das Gehorchen und das Befehle erteilen.

Doch wir wollen was ganz anderes: Ein Leben ohne Konkurrenz, ohne Autoritäten, ohne den
Mythos von einem guten und gerechten Kapitalismus.

Deshalb sagen wir: Nieder mit dem Patriarchat. Kapitalismus überwinden! Her mit dem
Kommunismus, her mit dem guten Leben!